Seemannschaft

Unter dem Begriff Seemannschaft verstehen die Seeleute alle Verhaltensregeln, die die sichere Fahrt, das Miteinander auf dem Schiff und die Begegnung mit anderen Schiffen betreffen. Hiermit meinen wir nicht die Vorfahrtsregeln, sondern das Verhalten der Seeleute unterschiedlicher Nationen untereinander.

 

Seemannschaft ist geprägt von dem Wissen um Schiff und Ausrüstung, nautischen Entscheidungen und Manövern, der nautischen Etikette, sowie damit, sich auf alle möglichen Situationen – auch medizinischer Natur – vorzubereiten.

 

 

Schiff und Ausrüstung

Die Grundlage guter Seemannschaft ist die genaue Kenntnis Deines Schiffs und dessen Ausrüstung. Dir als Skipper sind alle Eigenschaften Deines Schiffes bekannt.

Du bist mit Deiner Mannschaft weit entfernt von professioneller Hilfe, denn auch in der Küstenregion kann es oft Stunden dauern, bis Du wieder im Hafen bist und Hillfe da ist.. Daher muß die Mannschaft auf alle Eventualitäten vorbereitet sein: von ganz normalen Segelmanövern, das Mann-über-Bord-Manöver, das Abdichten eines Lecks bis zum Verhalten im Seenotfall.

Als Skipper eines Sportbootes steht diese Aufgabe einem Kapitän eines Ozeankreuzers in nichts nach. Du hast  zwar das kleinere Schiff, aber als Nautiker müssen die Aufgaben mit einer oft unerfahrenen Crew gelöst werden.

Mit vielen Beispielen, anschaulich und praktischen Ratschlägen nehmen wir uns diesem großen Thema an.

 

Medizin an Bord

Passiert ist schnell etwas, angefangen von einem Sturz, einer Schnittwunde bis hin zur Wespe, die sich in die Limo-Dose verirrt hat und mitgetrunken wurde.

Welche Hilfe hast du auf See? Im Fall der Wespe musst Du nicht mal weit draußen sein, denn jede Minute zählt.

Es ist wichtig, Vorsorge zu treffen, dass so etwas nicht passiert. Du mußt  medizinische Erstversorgung an Bord leisten können.

Die Vorbereitung beginnt bei Medizinkursen, über eine gut ausgestattete Bordapotheke bis hin zu dem Wissen, wie Du Hilfe - zumindest per Funk - schnell einholen kannst.

 

Verhaltensregeln und Sicherheit

Ein gutes Sicherheitskonzept beginnt bei jedem Einzelnen. Der Skipper hat im Notfall viel zu tun. Wenn alle im Notfall wie Zahnräder ineinandergreifen, jeder seine persönliche Aufgabe kennt, dann wird auch der schlimmste Notfall glimpflich verlaufen.

Die Sicherheitseinweisung zu Beginn eines  Törns nimmt eine sehr wichtige Rolle ein. Hier geht es nicht nur darum, die Rollen für den Notfall zu verteilen, sondern durch vorbeugende Maßnahmen den Notfall zu vermeiden.

Man sollte sich mit der Handhabung der Rettungswesten, der Lifeleinen, der Rettungs- und Signalmittel vertraut  machen und auch den Seenot- und Dringlichkeitsfunkverkehr besprechen. Denn nichts wäre schlimmer, als im Notfall den Retter am Funkgerät zu haben, ihm aber nicht mitteilen zu können, wie und wo er helfen kann.

Sicherheit auf dem Schiff hat aber nicht nur einen nautischen Aspekt. Die Enge auf dem Schiff, die fehlende Möglichkeit Abstand zu gewinnen, versetzt Gruppen in ein eigenes Umfeld. Was an Land nie ein Problem wäre, kann auf See im Ernstfall fatale Folgen haben.

Gruppendynamische Betrachtungen, die Hygiene auf dem Schiff, der Respekt vor dem Persönlichkeitsraum jedes Crewmitgliedes sind wichtig, um einen harmonischen, tollen Segeltörn miteinander zu erleben. Einen Törn von dem alle in vielen Jahren noch begeistert berichten.

 

Nautik

Ist Dir das auch schon passiert? Da eilst Du im Hafen einem Schiff zur Hilfe, das gerade anlegen möchte. Du stehst an der Pier bereit, die Leinen anzunehmen und an Land zu belegen. Aber statt eines angemessenen Tampens der Achterleine, mit fertigem Auge für den Poller, fliegt Dir plötzlich eine wahre Wuhling entgegen... Du rettest Dich mit gewagtem Sprung zur Seite um nicht erschlagen zu werden, greifst Du Dir aus der Wuhling eine Bucht, um diese behelfsmäßig zu belegen. Bevor Du Dich von dem Schreck erholt hast, kommt Dir der Skipper des Segelschulschiffes entgegen und belehrt Dich, dass die Leine in einer Bucht um den Poller belegt wird und das lose Ende zurückgeben werden sollte! Von Dank keine Spur, statt dessen ein Vortrag über gute Seemannschaft.

Genau das ist einem guten Segelkamerad und mir passiert. Uns beiden hat es in dieser Situation schlicht die Sprache verschlagen, zumal der hohe Jan Segellehrer uns in einen nicht endend wollenden Seemannsgarn über die Heldentaten seiner Crew erzählen wollte! Am Ende habe ich Mitleid mit dem Teufel empfunden...

Leider ist das kein Einzelfall! Wir haben dieses Kapitel der Nautik gewidmet. Es geht um Segelmanöver, Segeltrimm, Hafenmanöver, Leinenarbeit und nicht zuletzt um Leinenwurftechnik … eine Disziplin, die ich mit meinen Crews immer vor Törnantritt übe. Meist ernten wir anfangs ungläubige Blicke, nicht selten habe ich aber erlebt, dass die Crews der Nachbarschiffe plötzlich an der Pier neben mir standen und die hellste Freude hatten, wenn auch sie die Leinen so werfen konnten, dass sie am Ende als gerade Linie auf der Pier lag.

 

Nautische Etikette

Die Seefahrt ist eine internationale Zunft. Seeleute aller Nationen mögen vielleicht verschiedene Sprachen sprechen, aber sie verstehen sich doch alle. Dies hängt  damit zusammen, dass sich über die Jahrhunderte der Seefahrtsgeschichte ein Verhaltenskodex etabliert hat, der sich aus den ganz spezifischen Anforderungen der Seefahrt ergeben hat. Vor Seegerichten werden oftmals die „Regeln der guten Seemannschaft" zitiert.

Das Miteinander auf See ist geprägt von gegenseitigem Respekt und Anerkennung. Dies zeigt sich insbesondere in der Art und Weise, wie auf See Flaggen geführt werden aber auch in der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, die sich Seeleute ungefragt zukommen lassen.

Die nautische Etikette hat aber auch ganz pragmatische Seiten. So ist es auf allen Schiffen üblich, loses Gut, wie z.B. Fender, gegen Überbordgehen zu sichern. Die Art und Weise, wie und wann dies erledigt wird, ist weltweit gleich. Ebenso einheitlich ist die Art und Weise wie der nautische Funkverkehr abgewickelt wird.

Ein wenig gelitten haben in den letzten Jahren wohl die Grundsätze, dass im Notfall Frauen und Kinder zuerst gerettet werden und der Kapitän als letzter von Bord geht. So soll doch tatsächlich ein Kapitän in einem Seenotfall vor der italienischen Mittelmeerküste von seinem Schiff gefallen sein – direkt hinein in ein Rettungsboot.

Die nautische Etikette ist bestimmt alles andere als trockener Stoff. Wie in der Seefahrt üblich, lernen wir auch hier aus Vergangenem, das wir hier nicht ohne Humor, aber doch mit dem gebührenden Ernst darstellen.

 

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